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25. Nov. 2006
NZZ
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Afrika: Objekt von Hilfe und Pessimismus -
Plädoyers für eine «richtige» Entwicklungsförderung
Die Alliance Sud hat an einer Tagung pauschale Zweifel an der Wirksamkeit
der Entwicklungshilfe für Afrika zurückgewiesen. Referenten erläuterten die
schwierigen Bedingungen und forderten statt eigennütziger Hilfe eine bessere
Ausrichtung auf Bedürfnisse der Armen.
C. W. Bern, 24. November
«Leidet Afrika an zu viel Hilfe?» Es war anzunehmen, dass die
Arbeitsgemeinschaft von sechs Hilfswerken (Alliance Sud) diese Frage nicht
als Tagungstitel gesetzt hatte, um sie zu bejahen. Auch war kein Verfechter
der These, Hilfe lähme Eigenanstrengungen und Reformen, als Redner
eingeladen. Doch waren Art und Motive der Leistungen sowie die oft
oktroyierten Entwicklungskonzepte Thema kritischer Betrachtungen.
Unterbrochene staatliche Tradition
Die periodisch aufkommende Fundamentalkritik an der Entwicklungshilfe
konzentriert sich gegenwärtig auf die Anstrengungen zugunsten Afrikas, wo
extreme Armut immer noch am weitesten verbreitet ist. Jürg Krummenacher,
Caritas-Direktor und Präsident der Alliance Sud, sowie deren
Geschäftsführer, Peter Niggli, verwiesen auf die schwierigen Bedingungen in
dem - übrigens sehr vielfältigen - Kontinent: extremes Klima, riesige
Distanzen, schwache Institutionen. Die Verantwortung der afrikanischen
Eliten wurde nicht bestritten. Doch externe politische Faktoren dominierten
in den Analysen. Insbesondere wies Niggli darauf hin, dass kein Staat auf
einem vorkolonialen Gemeinwesen habe aufbauen können, da die Staatsbildung
durch die Eroberer abgebrochen worden sei. Etliche Despoten wurden von den
USA oder europäischen Mächten gestützt.
Den Stellvertreterkämpfen während des Ost- West-Konflikts folgten
Bürgerkriege, so dass statt Entwicklungs- oft ÜL;berlebenshilfe zu leisten
war. Als Rahmenbedingung, die von den Afrikanern nur schwer zu beeinflussen
ist, erwähnten die Vertreter der Hilfswerke auch die weltwirtschaftlichen
Verhältnisse, speziell den Agrarprotektionismus. Entwicklungshilfe, wie sie
etwa Südkorea viel reichlicher erhalten habe, werde an Rezepte der Geber
gebunden - und selbst der «Afropessimismus» sei eine Sache von
Nichtafrikanern.
Interessen der Geber
Charles Abugre, aus Ghana stammender Mitarbeiter der britischen «Christian
Aid», hob einerseits die grossen Fortschritte hervor, die Afrika etwa im
Bildungswesen und bei der Gesundheitsversorgung eine Zeit lang gemacht habe.
Anderseits meinte er sarkastisch, die Hilfe sei insofern ein Erfolg gewesen,
als sie die Exporte der Geberländer gefördert, Diktatoren gestützt, die
afrikanischen Staaten durch Schulden abhängig gemacht und an eine
Liberalisierungspolitik gebunden habe. Die Entwicklungszusammenarbeit sei so
zu überdenken, dass sie zu etwas Vorübergehendem werde, die Souveränität der
Empfänger stärke und eine Rechenschaftspflicht auch im Norden, etwa
bezüglich des Umgangs mit Geldern aus Korruption, umfasse.
Es sei wesentlich mehr echte Entwicklungshilfe nötig, betonte auch Huguette
Akplogan- Dossa, Koordinatorin des internationalen NGO-Netzes «:Social
Watch» in Benin. Bisher seien zu wenig Mittel den wichtigen Bereichen wie
Erziehung, Gesundheit und Landwirtschaft zugute gekommen. Als besser
berechenbaren und auf die Strategie des Empfängerlandes abgestimmten Beitrag
befürwortete die Referentin die Budgethilfe, die hierzulande nicht
unumstritten ist. Gleichzeitig müsse allerdings die innerstaatliche
Dezentralisierung auch in finanzieller Hinsicht vorankommen (bisher wurden
nur Aufgaben verlagert), und die Zivilgesellschaft sollte an der politischen
Planung mitwirken können, wie es in Benin teilweise bereits möglich sei.
Calmy-Rey zur Rolle der Schweiz
Patentrezepte, die wachsende Kluft zwischen Afrika und der übrigen Welt zu
verringern, hatte auch Bundesrätin Micheline Calmy-Rey nicht zu bieten. Was
die Begründung der schweizerischen Entwicklungspolitik betrifft, so setzt
sie auf Einsicht in das wohlverstandene Eigeninteresse eines besonders stark
vernetzten Landes, zur Verminderung weltweiter Probleme beizutragen - und
«Sicherheits-, Umwelt-, Handels- und Gesundheitsprobleme lassen sich unter
den Bedingungen der Globalisierung ohne die Entwicklungsländer nicht lösen».
Die Entwicklungspolitik wird somit weiter verstanden, nicht nur als direkte
Bekämpfung der Armut, sondern auch als Beitrag zu einer
entwicklungsfördernden Globalisierung und zur Bewältigung von
Sicherheitsrisiken.
Auf einer solchen Linie engagiert sich auch die Alliance Sud. Ihr
Geschäftsführer sah jedenfalls weder in einer Re-kolonisation, etwa nach dem
Muster Afghanistans und des Iraks, noch in einem Rückzug, der wohl nur die
effektive Hilfe betreffen würde, eine Perspektive
Kontakt:
Andreas Gross
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