|
17. Okt. 2006
|
Danke, dass Sie Herrn Blochers Haltung zu Afrika publik gemacht haben
Sehr geehrter Herr Gross
Bravo! Sehr gut, dass Sie Herrn Blochers Haltung zu Afrika publik gemacht haben, wir hätten sonst nie etwas darüber erfahren.
Ich bin Afrika-Spezialist seit bald 30 Jahren - ich war und bin seit vielen Jahren mit «Afrika» verheiratet, zur Zeit verlobt mit einer Kenianerin. Da ich auch politisch engagiert bin (Grüne Freie Liste Bern) bin ich auch mit der Geschichte Afrikas (und Südamerikas) sehr vertraut. Gerne würde ich mal mit Herrn Blocher (und Ihnen) über Afrika diskutieren - ich sehe da ein sehr differenziertes Bild.
Um es kurz zu sagen: 98,5% der Afrikaner arbeiten hart und unter grössten Entbehrungen, um zu überleben. Dabei bleibt ihnen kaum Zeit zu staatspolitischen Überlegungen und Zukunftsdenken. Es sind die kümmerlichen 1,5%, die das Sagen haben in diesem grossen Kontinent und trotzdem nur für die eigene Tasche arbeiten und stehlen. Hinzu kommt das sehr harte und unregelmässige Klima, dass vielerorts einfach mörderisch ist. Wussten Sie, z.B. dass die Lebenserwartung für Kenianer an der «herrlichen Mombasa-Küste» - wo wir Europäer Traumferien verbringen - etwa 40 Jahre beträgt, falls das Baby-Alter überhaupt überlebt wird?
Als Schweizer Tourist, geimpft gegen alles, und wohnhaft im oberhygienischen Erstklass-Hotel kriegen sie das gar nicht mit. Tragisch auch, dass von den Einnahmen des African Safari Clubs - des wichtigsten Arbeitgebers an der Kenianischen Küste - kaum etwas im Lande bleibt, mit Ausnahme des Schmiergeldes, das der ASC dem Tourismus-Minister bezahlt hat. Die ASC-Angestellten erhalten auch nur gerade das Minimal-Gehalt zum Überleben.
Wenn ich über Entwicklungshilfe in Afrika bestimmen könnte, ich würde erstmals schauen, dass jedes Land ein Ministerium für nationale Integration erhält - welches das Vertrauen in die anderen Ethnien, Stämme innerhalb der Landesgrenzen stärkt und aufbaut, das Gespräch zwischen den Stämmen fördert und Verständnis für die Mitbürger anderer Landessprachen verbessert - z.B. durch entsprechende Lehrpläne und Fächer in den Schulen. Das Stammesdenken ist das grösste Übel in Afrika. Dann würde ich möglichst billig die Abtreibungspille abzugeben versuchen - denn 90% der Schwangerschaften in Afrika sind ungewollt und das Bevölkerungswachstum ein entscheidendes Problem. Es liesse sich noch vieles sagen ....
Weiter so Herr Nationalrat!
Herzliche Grüsse aus Bern
Daniel Hofer, Bern
Andreas Gross
Nach oben
|