23. Mai 2007

Leoluca Orlando
Der sizilianische Karren

Meridiane im Amman-Verlag
200 Seiten
CHF 34.90

Leoluca Orlando war von 1985 bis 2000 Bürgermeister von Palermo. 16 Jahre geprägt von Mafia-Terror. Vom Verlust von Freunden wie Giovanni Falcone, der im Mai 1992 umgebracht worden ist. Geprägt von Hochsicherheits-Dispositiven, vom Eingesperrt-sein im Bürgermeister-Büro, vom Weggehen junger Menschen, die es satt haben, arbeitslos und der Mafia ausgeliefert zu sein. Geprägt auch von der Verzweiflung, dass nun, nachdem Berlusconi an der Macht ist, die paar wenigen Schranken, hinter die man nach langen Kämpfen und unter dem Verlust von vielen Menschenleben die Mafia verweisen konnte, wieder gefallen sind.

Trotzdem ist Leoluca Orlando ein optimistisches, ja sogar fröhliches Buch gelungen. Nie den bedrückend traurigen Hintergrund aus den Augen verlierend, erzählt Orlando Geschichten und Beobachtungen aus seinem politischen und privaten Alltag. Geschichten von und über Menschen, die man sofort ins Herz schliesst und umarmen möchte. Ganz einfach, weil der Erzähler sie liebt. Sei es nun der Frisör, der Fischhändler Masino oder die Journalistin Svetlana aus Leningrad (Petersburg). Und genau so, wie man Orlandos Freunde lieben lernt, mag man es seinen Feinden, so Berlusconis ehemaligem Verteidigungsminister Previti, von Herzen gönnen, wenn sie nicht dazu kommen, sein Piano beschlagnahmen zu lassen.

Fredi Krebs



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