23. Mai 2007

Eduardo Galeano
Zeit die spricht

Peter Hammer Verlag
396 Seiten
CHF 38.60

Da ist die Geschichte vom Arzt, der aus den Worten einer Frau schliesst, dass sie ernsthaft krank sei; sie hat berichtet, dass sie nun endlich nicht mehr liebeskrank wird.

Oder die Geschichte, die uns unsere Vorfahren, die Blaualgen vorstellt.

Oder der Bericht von Géraldine Chaplin, die in der Türkei, wo sie sich an einem Drehort aufhält, glaubt, sie werde von einigen jungen Männern abgepasst und überfallen; bereits ihre Uhr und ihre Geldbörse anbietend muss sie überrascht feststellen, dass die Jungen ihr bloss eine Charlie-Chaplin-Nummer vorführen wollen.

333 Geschichten vom Leben. Galeano liefert uns auf knapp vierhundert Seiten, wie bereits in ‹Erinnerung an das Feuer›, Hunderte Fragmente. Kurze Geschichten aus dem Alltag und bescheidene Beobachtungen grosser Vorgänge, Anekdoten, Skurrilitäten. Jedes einzelne Fragment eine mehrbändige philosophische Abhandlung, einen Roman, eine Verfilmung wert.

Aber auch einfach so hingestreut – vielleicht gerade darum – sind diese Fragmente wertvoll, fügen sie sich doch zu einem Ganzen, zu einem Universum, das in seiner Vielfalt und Widersprüchlichkeit ein Faszinosum ausübt, dem man sich unmöglich entziehen kann. Denn hier erhält der Mensch ein Gesicht und die Welt, die er schafft und in der er lebt, leben muss, wird sichtbar.

Fredi Krebs



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