22. Mai 2007

Herbert Müller-Guttenbrunn
Alphabet des anarchistischen Amateurs

Matthes & Seiz, 365 S.
CHF 47.20

Müller-Guttenbrunn (1887 – 1945, irrtümlich erschossen), der österreichische Anarchist, ist wohl am ehesten bekannt als Herausgeber der Zeitschrift ‹Das Nebelhorn›. In den Jahren 1931 und 32 begann er in loser Folge die Serie ‹Zur Richtigstellung der Begriffe›. Als das Nebelhorn bald darauf verboten wurde, endete diese Sammlung leider sehr abrupt. Der Herausgeberin des vorliegenden Buches diente sie jedoch als Basis, welche sie um Aphorismen, prägnante Äusserungen und originelle Gedanken aus dem weitgehend unveröffentlichten Werk Müller-Guttenbrunns ergänzte. Herausgekommen ist ein geniales Wörterbuch, das das Denken eines feingeistigen Grobians erschliessen hilft und unser eigenes eingerostetes Denken und Reden manchmal ganz schön alt aussehen lässt.

Vier Begriffserklärungen aus dem anarchistischen Amateur:

«Freiheit. Die Freiheit ist adelig und man darf ihr das Wörtchen ‹von› nicht vorenthalten. Erst wenn man weiss, von was einer frei ist, kann man beurteilen, ob er wirklich frei ist. Das Wort ‹Freiheit› ohne ‹von›, also sozusagen die bürgerliche Freiheit, ist schlechthin sinnlos.

Geld. Geld ist etwas, was gilt – im Grunde und an und für sich also eigentlich nichts wert ist. Noch deutlicher kommt dieser Schein beim Worte ‹Geld-schein› zu Tage.

Regierungen. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist, Regierungen sind notwendig, denn es hat immer welche gegeben. Ich aber sage Euch: Wanzen hat es auch immer gegeben; sind Wanzen deshalb notwendig? Weg mit allen Regierungen! Eine Einrichtung, in deren Namen ganz versteckt das Wörtchen ‹Gier› lauert, ist unter allen Umständen höchst verdächtig.

Tod. Der Tod ist höchste Einsamkeit und ein einsames Leben ist ein gelebter Tod.»

Fredi Krebs



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