06.03.2003

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Gezeichnete Politik

Von Fredi Krebs

Lieber Peter Bodenmann

Es hat mich sehr gefreut, dass Du Andi Gross als «zur Zeit einzigen ernst zu nehmenden Schweizer Aussenpolitiker» wahrgenommen hast. Solches aus Deinem berufenen Munde, solches im Umfeld einer Szene, die, wie ich sie erlebe, fast nur aus Diven besteht, die bloss ein Loblied auf sich selber zu singen bereit sind, -- das hebt Deinen Aufsatz und Deine Qualität als Beobachter heraus.

Da es unter diesem Kapitel auf Andis Homepage jedoch ausschliesslich um die Bildbetrachtungen gehen soll, komme ich gleich zur Sache: Denn da erweist Du Dich als nicht allzu scharfer Beobachter:

Du meinst in Andis Bildern und in seiner Politk zu scharfe, zu trennende Elemente entdeckt zu haben. Beides ist falsch. Andi ist ein Politiker, der den Ausgleich sucht und immer wieder Gemeinsamkeiten findet, die den Weg zu Lösungen ebnen. Dies kommt auch in seinen Bildern und vor allem in der Titelgebung zum Ausdruck. Eine deutlich wahrnehmbare Schärfe, was die Präzision der Begriffe und die Klarheit der Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, betrifft, ist unumgänglich und kommt selbstverständlich in Politik und Bildern zum Ausdruck.

Du schreibst: «Spiegeln seine statischen Bilder den Verlauf von Sitzungen? Ist wirklich immer alles so klar ein-, aus- und abgegrenzt? Bleiben alle Farben so fahl, wie uns Andreas Gross berichtet?» Das statische Element in seinen Bildern erwähnst Du noch ein zweites Mal. Hier nun werde ich den Verdacht nicht los, dass Du keines von Andis Bildern jemals im Original gesehen hast, oder ich muss leider schon wieder Deine mangelnde Beobachtungsgabe - was die Bilder betrifft - kritisieren.

Andis Bilder sind - wie auch die Art, wie er mit Sitzungsresultaten umzugehen versteht - äusserst dynamisch. Aber grad überhaupt nichts wird ein-, aus- und abgegrenzt. So sind denn auch die wesentlichen Elemente seiner Bilder nicht die trennenden Linien (das ist bloss die Haut des Menschen), sondern viel wichtiger und stets von zentralem, vitalem Interesse sind die Schnittmengen. Wo gibt es gemeinsame Interessen? Wo verlaufen die diffusen, verschlungenen Konfliktlinien? Was bleibt unausgesprochen? Und die von Andi ins Bild gesetzten Wege und Prozesse verlaufen manchmal auch - wie es im Leben halt so spielt - sehr gewunden und führen erst vier-, fünfmal oder noch öfter (mehr oder weniger knapp) am eigentlichen Ziel vorbei.

Du fragst Dich, ob «alle Farben so fahl bleiben, wie uns Andreas Gross berichtet». Nun denn: Ich habe mittlerweilen gegen zweihundert seiner visualisierten Protokolle verarbeitet --- und ich war, ausser von seinem noch etwas zaghaften «Frühwerk», in aller Regel von einem kraft- und saftvollen Farbenrausch beglückt ...

Ich denke, es wäre schön, wenn Du mal ein Original-Bild von Andi betrachten könntest. Findest Du einen freien Hänge-Platz in Deinem Hotel? Gerne würden wir Dir dann ein Bild als Dankeschön für Deine «Bildlegende» in der Weltwoche schenken!

Fredi Krebs


NB: Ich kann's doch nicht ganz lassen - Andi Gross hat sich
a) nicht von seiner antimilitaristischen Geschichte verabschiedet und
b) sind wir nicht der Meinung, dass er zweimal politisch mehr bewegt hat, als ihm heute lieb sein kann. Keine Angst, es ist ihm auch heute noch sehr lieb.
Zudem ist der UNO-Beitritt ja auch nicht ganz ohne, und da wären wir schon bei Punkt Nummer drei.
Und - noch unendlich viel wichtiger: Aus der «Küche» von Andi Gross, und stehe diese Küche nun in St-Ursanne oder sonstwo, werden noch politische Vorstösse ihren Weg auf den Suppenteller von Herrn Schweizer und Frau Europäerin finden, dass ihnen nur mehr das Wasser im Munde zusammenlaufen wird. Und freue Dich: Wir sind inzwischen auch ganz gut im Zubereiten von Fünf-und-noch-mehr-Gang-Menues.



Andreas Gross



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